Da müemer keis Büro uufmache
Für S.
„…und das B Mama wird mit P gesprochen.“ so tönt es aus der Schweiz.
Erkennt ihr das Schweizerdeutsch? Ich liebe diesen Satz. Von Kindern lernen wir besonders viel – auch von den erwachsenen Kindern. Lebenslang, mitunter auch streng und vor allem hilfreich.
Dieses Lerngeschenk ist neu und würde für mich so was wie „nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen“ bedeuten.
Er fällt mir oft ein.
Vor allem dann, wenn es kleine Ärgernisse sind – wenn andere nicht so tun, wie ich mir das vorstelle, wenn etwas nicht so perfekt ist, wenn der Zug nicht rechtzeitig kommt, wenn der Fleck in der Wäsche bleibt.
UND auch im Größeren: Dinge im Leben, die uns herausfordern, die wir uns so nicht ausgesucht haben: „Da müemer keis Büro uufmache.“ Es geht auch um die Relativierung dessen, was in unserem Leben passiert. Und auch darum, die Gesamtheit des Erlebten zu sehen – nie das Freudvolle und Gelungene zu vergessen.
Und im Zusammenleben am Hof?
Oh ja. Großen Respekt vor der Unausweichlichkeit von manchmal auch zermürbenden Begegnungen. Der Familienbetrieb erfordert immer eine Fülle von Möglichkeiten, sich gegenseitig zu reizen und auch einander wohl zu tun. Zum Beispiel, in dem wir großzügig sind.
Doch ist es halt auch nicht selten so, dass man gefordert ist, in der Abstimmung der eigenen Bedürfnisse mit denen der anderen.
Kann zum Beispiel bei einem Unterschied von einer halben Stunde in der Früh beim Stall gehen von einem großen Problem gesprochen werden?
Kann der unterschiedliche Blick aufs Garten gestalten Anlass für ein Entziehen der Kompetenz sein?
Und wenn der Bua auch auf die Kinder schaut (nicht nur die Mama und die Oma) wie es früher nicht so üblich war – ein Anlass sein, um ein „Büro“ uffzmache?
Gestern habe ich noch einen Satz von Dietrich Bonhoeffer aufgesogen:
Man muss sich durch die kleinen Gedanken,
die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden
zu den großen Gedanken, die einen stärken.
Da mag ich jetzt gerne dranbleiben.