Geduldig ins neue Jahr
Der Jänner geht bereits in die zweite Hälfte über. Noch sind es in diesem Jahr 350 Tage zum Weiterüben-was immer das Leben von uns gerade fordert und uns auch schenkt.
Ein Teil meines Mottos für das lebhaft angelaufene Jahr ist die Geduld. Sie kam über einen Roman zu mir, indem das bekannte Gedicht von Rilke vorkommt. Schon beim Lesen spürte ich eine leicht aufsteigende Gelassenheit. Der Atem vertieft sich und ich freue mich. Deshalb jetzt keine anderen Worte mehr von uns Aufleberinnen.
Nur der Wunsch, dass es euch auch so ergehen möge.
Man muss den Dingen
Die eigene, stille,
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt,
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann;
alles ist austragen –
und dann
gebären…
Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit …
Man muss Geduld haben,
gegen das Ungelöste im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprachegeschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt,
lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antwort hinein.
Rainer Maria Rilke