Posts by: Angelika Wagner

Ab Peter und Paul werden die Pfarrer faul

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Ein Sonntagmorgen-Erlebnis in der Kirche. Der Tag war schon ein bisschen heiß. Der Samstag hat länger gedauert. Man freut sich direkt, wenn nach dem Evangelium eine Predigt vielleicht ein andächtiges Lauschen oder ein ebenso beschauliches Wegdenken ermöglicht.

Kaum sitzen alle, sagt der Pfarrer: Beten wir gemeinsam das Glaubensbekenntnis. Als sich alle wieder erheben, schmunzelt er und spricht von den Gewohnheiten auch in der Kirchenliturgie. Er fragt ob jemand den Spruch „Ab Peter und Paul werden die Pfarrer faul“ kennt? Heiterkeit durchzieht die Kirche und dann sagt er. Ja und jetzt im Sommer ist es so. Wir predigen nicht.

Darf ein Diakon die Faulheit begrüßen? Oder zumindest ganz öffentlich kundtun? Oh ja! Es gibt dem ganzen Getrieben sein eine wohltuende Gegenströmung.

Die Faulheit hat in unserer Gesellschaft einen schlechten Ruf. Wer faul ist, sitzt anderen auf der Geldtasche, schadet der Gesellschaft und seinem Umfeld.

Doch wenn es jemand schafft, einen Gang oder auch mehrere herunter zu schalten, eben auch ein Pfarrer, dann entschleunigt es und schafft Raum für Muße.

Mehrfach haben wir davon schon geschrieben. Manche unserer Almbauern sagen, dass es im Sommer auch Lücken des Nichtstuns gäbe. Und so könnte es wohl auch Zeiten des Verweilens, des einfachen Nichtstun geben. So wie auch der bayrische Kabarettist Gerhard Polt meint: einfach vor sich hin sinnlosen. Meine Bäuerinnen haben in einem Seminar die Doppeldeutigkeit des Begriffs entdeckt. Neben eben nichts Sinnvolles tun zu müssen könnte sich doch auch Sinn erschließen. Sinn losen im Sinne von Sinn lauschen.

Schön!

Heute bin ich einmal faul. Tja… wer das schafft, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben, der hat mir schon einmal etwas voraus. Meine Bewunderung!

UND es gibt von Gotthold Ephraim Lessing ein Gedicht über die Faulheit.

Die Faulheit

Fleiß und Arbeit lob ich nicht.
Fleiß und Arbeit lob ein Bauer.
Ja, der Bauer selber spricht,
Fleiß und Arbeit wird ihm sauer.
Faul zu sein, sei meine Pflicht;
Diese Pflicht ermüdet nicht.

Bruder, laß das Buch voll Staub.
Willst du länger mit ihm wachen?
Morgen bist du selber Staub!
Laß uns faul in allen Sachen,
Nur nicht faul zu Lieb und Wein,
Nur nicht faul zur Faulheit sein.

Das Augenzwinkern im Gedicht macht faulmutig, oder?

Sommerfaul will ich sein… als Gegenentwurf zum immer tüchtig und ausgefüllt.

lifequality goes future

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Jaja! Ich weiß und bitte um Nachsicht. Sehr hochgestochen der Titel dieses Beitrags. Doch lasst uns ein bisschen schwelgen in der Energie einer Veranstaltung, die in der vergangenen Woche im Forum LK stattfand.

Das Bildungsprojekt Lebensqualität Bauernhof muss jedes zweite Jahr einen neuen Förderantrag stellen, damit wir auch Bildungsveranstaltungen so auch die Hofübergabe/Hofübernahmeseminare im Rahmen der Ländlichen Entwicklung finanziert zu bekommen.

Wie kommt man nun zu einem Ergebnis, das einerseits die Förderrichtlinien erfüllt und andererseits so innovativ und attraktiv (also neu und anziehend) ist, dass viele Bäuerinnen und Bauern sagen, da müssen wir unbedingt hin?

Christina Scheiber, Bildungsverantwortliche von LQB (Lebensqualität Bauernhof), bereitete mit der Moderatorin und Sorgentelefonberaterin Barbara Kathrein und mir (Verantwortliche für LQB in Tirol) ein Programm für einen halben Tag vor, das wir mit einer Denker*innengruppe durchgeführt haben.

Wohin soll sich LQB in den nächsten Jahren entwickeln? Wir stellten eine Gruppe zusammen, die sich als ein Fundus an kreativen Köpfen herausstellte.

Was uns besonders freute: die Eingeladenen sagten alle zu, empfanden es teilweise als Ehre, mit uns Ideen zu entwickeln. Welche herrliche Basis zu arbeiten!

So viel kreative und auch zukunftsträchtige Bildungsideen sind entstanden. Nun müssen sie in eine Umsetzbarkeit gebracht werden.

Mit einem Ergebnis, das sicher stellen soll, dass wir unsere Zielgruppe dabei begleiten, die Unternehmer*innenkompetenz auch im Zusammenhang mit einem gelungenen eigenen Leben in Verbindung zu bringen. Betriebserfolg hat damit zu tun, dass ich mich und meine Familie in den Mittelpunkt des Betriebes stelle.

Einen schönen Satz möchten wir noch mit euch teilen: Nina, unsere Digitalisierungsbeauftragte meinte: „Veränderungen haben auch immer etwas Gutes!“

Schaut bestimmt nicht immer so aus (und liebe Nina, wenn ich an meinen älter werdenden Körper denke – sag mir wo ist das Gute?), könnte uns aber manchmal zu einem mutigeren Voranschreiten einladen!

Also: Lebensqualität ist und hat Zukunft!

Wanns singt und klingt und du bisch mittendrein

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Laut Plan würde der Beitrag über die Lücke, eigentlich den Mut zur Lücke sein.

Die Geschichte ging nämlich so: am vergangenen Montag fehlte uns eine Idee, was wir gerne mit euch teilen würden. Ehrlich gesagt bei mir war es eine postvirale Kreativitätskrise. Blöd kam ich mir schon vor. Was gäbe es denn groß zu jammern? Ein schönes Dach über dem Kopf, einen spannenden Beruf ohne Kurzarbeit, gesund sein, Menschen, die gerne mit dir sind und so viel Möglichkeiten, das Leben zu genießen. Aber mich so richtig entspannt fühlen?

Darüber kann man doch schreiben über das diffuse Lebensgefühl? In unserem Blog?

Natürlich! Es geht eben nicht immer: die Worte und Ideen fließen nicht uneingeschränkt. Der Blick für das Fröhliche, Erheiternde, Schöne und Gelingende hatte gerade eine Schattierung.

Und dann ist es halt so. Sowohl in einer Krise und auch als einer der wichtigsten Säulen der Resilienz (Widerstandskraft der Seele) gilt die Akzeptanz.

Die Dinge so nehmen, wie sie sind, sie genau zu betrachten – ihnen einen Landeplatz im Leben geben. Und dann kann die Handlungskompetenz wieder wachsen – die Kraft und der Wille etwas zu tun.

Jetzt könnt ich natürlich genauer beschreiben: Resilienz, über die Komplexität der Verunsicherung bei Menschen und das erneut bewusste Wahrnehmen von der wunderbaren Kraft des Vertrauens. Niklas Luhmann ein Soziologe spricht von der hilfreichen Haltung des Vertrauens, weil es hilft, die Unüberschaubarkeit und auch Unkontrollierbarkeit der Welt zu reduzieren.

Das wird schon wieder!

Und dann erlebe ich gerade eine zauberhafte Wirkung von Klängen: Wieder ein bisschen Genuss-singen mit großem Abstand, dem Liebeswerben der Amseln (anscheinend haben sie 400 Melodien zur Wahl!) lauschen, das Blöcken von Schafen, das Gegackere der Hühner im Hintergrund, wenn ich meinen Kund*innen telefoniere und die Glocken die lauter werden, wenn man auf eine Alm wandert.

Die Aufgabe ist, es zu hören, es in jede Pore tief einsickern zu lassen. Und dann „bisch mittendrein“  auf dem Weg in die Lebensfreude.

Hört selbst!

Radieschenbrotmomente

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Wortverliebt: so könnten wir Bloggerinnen uns selbst beschreiben. Dieses schöne Titelwort haben wir samt Geschichte von unseren Chorfreundinnen ausgeliehen.

Und nochmals geht es um die Coronazeit. Wir beobachten, wie auch von Psycholog*innen schon länger beschrieben, dass erst nach und gerade beim Lockern der strengen Bestimmungen Belastungen von Menschen sichtbar werden.

Tapfer hat sich eine derzeit allein lebende Freundin in dieser Zeit gehalten. So viele Wochen! Das Lebensgefühl nicht immer „aufm letztn Zaggn“ (schweizerisch).

Dann wurde der Ausgang erweitert. Für sie gerade ein dunkler Tag. Trotzdem entschließt sie sich, zum nahe gelegenen Bauern zu fahren, um Radieschen und frisches Brot zu holen: Trostessen oder geschwollener ausgedrückt Regressionsessen. Kohlenhydrate sind darin besonders talentiert. Die Freundin richtet sich die Brote: mit Butter, fein geschnittenen Radieschen auf das frische Brot. (Schnittlauch auch?)

Und dann läutet es. Eine gerade beruflich auf dem Weg befindliche andere Chorfreundin vor der Tür. Im Abstand setzen sie sich in den Garten genießen die Brote und plaudern. Wie gut! Es kann ausgesprochen und sichtbar werden, dass das Alleinsein eine Last sein kann. Nicht immer- aber doch immer wieder. Das Wort wird geboren: Radieschenbrotmomente.

Gerade hat erstere Geburtstag gefeiert. Klein, fein und innig. Gut hat es uns allen getan. Als Geschenk von zweiterer das selbstbestickte Tuch zu den Broten. Sehr berührend.

Dahockn und gfrein

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Ich habe ihn gesehen, den Bauern, von dem dieser Satz stammt. Ein stattlicher Herr, die Blaue hat er an, freundlich will er mir die Hand schütteln. Ach das soll man ja grad nicht (aber bald machen wir das echt wieder- so ein Vermissen von wichtigen Gesten und Ritualen!).

Seine Tochter erzählte mir von ihm. Nach dem „Mahdern“ habe er gemeint, es sei schon sehr wichtig, ab und zu zufrieden zu sein. Mit dem Blick auf die Siloballen (vielleicht heuer auch einmal ein paar Stück weniger), habe er vor sich hin sinniert. Man müsse seine Erfolge genießen.

Die Freude im und am Leben haben! Die Jungbäuerin erzählt mir, dass schon sein Vater so gewesen sei. Obwohl sein Aufwachsen als Lediger alles andere als einfach gewesen sei. Er habe wenig zum Leben gehabt und trotzdem eine große Zufriedenheit ausgestrahlt. Er und die Oma seien auf der Alm immer wieder gerne besucht geworden. Materiell reiche Menschen hätten sich besonders gerne in deren Nähe aufgehalten. Vielleicht gelingt das ja- das Abschauen oder auch angesteckt werden im guten Sinne.

Ein Satz des Opas: „I komm mit alle a boisl guat aus!“

Mit allen a boisl auskommen…und vielleicht auch nach einer Weile einen weiteren Versuch wagen!

Ausklacheln beim Nebelwandern

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Welch herrliche Begleiterscheinung dieser Zeit! Eigentlich wollte ich meine übliche Morgenrunde machen. Ungefähr eine Stunde marschiere ich so oft wie möglich durch den Wald. Zuerst bin ich ganz mit mir, mit dem Atmen beschäftigt und höre mir das Singen der Vögel an. (Das Singen in der Gemeinschaft fehlt mir!)

Heute hat es besonders frisch gerochen. Der Bach entlang meines Weges führte mich in Versuchung, den Weg zu verlängern. Eben! Diesen Luxus kann ich mir derzeit ab und zu leisten. Ich fühlte mich herrlich geborgen in der Stille. Der Nebel hatte eine beruhigende Wirkung. (Und ist er nicht auch Jungbrunnen? Ich will es jetzt einmal einfach so annehmen.)

Da fällt mir ein: ich habe ein neues Buch geschenkt bekommen! Danke liebe Freundin! Ein Buch über das Gehen. Es beschreibt, die gesunde Wirkung des Setzens von Schritten. Zum Beispiel der Schriftsteller Patrick Süskind:

Das regelmäßige Fuß-vor-Fuß-Setzen bei gleichzeitigem Rudern der Arme, das Ansteigen der Atemfrequenz, die leichte Stimulierung des Pulses, die zur Bestimmung der Richtung und der Währung des Gleichgewichts nötigen Tätigkeiten von Auge und Ohr, das Gefühl der vorüberwehenden Luft auf der Haut- all das sind Geschehnisse, die Körper und Geist auf ganz unwiderstehliche Weise zusammendrängen und die Seele, auch wenn sie noch so verkümmert und lädiert ist, wachsen und sich weiten lassen.“

Das Wort weiten! Das mag ich besonders.

Also marschiere ich: glücklich! Ich denke auch an unseren Blog- wie kann ich das Glücksgefühl beschreiben? Wie kann ich es in Wort und Bild fassen? Fühle mich alleine sicher und eben weit.

Plötzlich ändern sich die Geräusche in dem undurchsichtigen, sehr steilen Tal, in dem ich an anderen Tagen immer wieder Gämsen sehe. Rotzen die auch? Und wo ist das Vieh? Oben? Neben mir? Es klachelt und schnaubt. Vorbei mit der seligen Ruh. Ich gehe weiter, fühle mich fast mutig. Zumindest ein bisschen.

Die Schnecke konnte ich überholen

Es kommt näher das Schnauben. Ich dreh mich um und erblicke die Silhouette eines Mannes, der heraufkeucht.  Bin noch nicht beruhigt. So unglaubliche Geräusche. Weiter gehen. Denn dummen Fantasien trotzen.

Er kommt schneller näher. Dann bleibe ich stehen. Und er geht freundlich grüßend an mir vorbei.

Ja logisch! Auch er muss atmen und ausklacheln.. los werden was in Körper und Seele vielleicht steckt.

So wie Süskind sagt, unwiderstehlich fällt mir zu den Geräuschen nicht ein. Aber vielleicht unumgänglich. Und es erinnert daran, wie sehr wir das Gehen brauchen.

Route neu berechnen, Ziel in Sicht!

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Heute dürfen wir euch zu einem Webinar einladen, das von Lebensqualität Bauernhof bereits vor einem halben Jahr entwickelt wurde. Und wie gut passt es in diese neue Zeit.

Doch hört, wie euch Christina Scheiber, Projektleiterin von Lebensqualität Bauernhof einladet:

„Die Anschaffung einer neuen oder gebrauchten Maschine, eine Investition in einen Betriebszweig, oder gar eine Umstrukturierung: solche und andere unternehmerisch wichtige Entscheidungen stehen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb nahezu an der Tagesordnung und müssen dennoch wohl überlegt werden. Worauf kommt es bei guten Entscheidungen an? Wie kann es gelingen betrieblich erfolgreich zu sein?

DER WEG und DAS ZIEL

Neue Herausforderungen bringen auch Chancen mit sich und man kann neue Wege einschlagen. Um einen neuen Weg einigermaßen sicher beschreiten zu können bzw. eine gute betriebliche Entscheidung zu treffen, ist es notwendig ein klares, spezifisches, messbares, annehmbares, realistisches und terminiertes Ziel vor Augen zu haben. Natürlich können auch unerwartete Herausforderungen auftauchen, diese werden aber durch eine möglichst konkrete Zielformulierung nach den genannten Kriterien „verringert“. Eine Formulierung von Teilzielen kann unterstützend helfen. Um einen Weg mit ausreichend Ausdauer gehen zu können, ist es wichtig auf die eigene Lebensqualität und die der Familie gut zu schauen.

DER ERFOLG und DIE MENSCHEN

Die bekannte Erwachsenenbildnerin und psychosoziale Beraterin Christine Hackl beschreibt Erfolg als ein Ergebnis mehrerer Faktoren:

Erfolg = (Leistung + Preis) x Beziehung2

Leistung beschreibt Hackl als Potenzial, was eine Kombination aus Fähigkeiten und Talenten darstellt. Vermindert wird dieses Potenzial durch fremde oder eigene Störungen wie z.B.: Neid oder sich selbst herabzusetzen. Preis: alles hat einen Preis, das kann beispielsweise ein erhöhter Zeitaufwand sein, dafür fehlt die Zeit irgendwo. Den größten und entscheidenden Faktor stellen Beziehungen dar: die Beziehung zu sich selbst (Selbstvertrauen, Selbstwert), die Beziehung zum Partner und in der Familie. Daraus ergibt sich, dass Erfolg sehr individuell ist und jeder Mensch unmittelbaren zum Erfolg eines landwirtschaftliche Betrieb beitragen kann.

LEBENSQUALITÄT

Die eigene Lebensqualität und die der Familie am Hof spielt eine große und tragende Rolle. Auf die Lebensqualität zu schauen bedeutet in guten Zeiten aufzutanken, zu rasten, auch einmal inne zu halten und zu genießen. Es geht darum die eigenen Ressourcen zu befüllen um genügend Kraft zu sammeln, für Zeiten die Ausdauer erfordern.  Auf sich und seine Lebensqualität gut zu achten ist die Grundlage, um langfristig erfolgreich zu sein.“

Als Referentin für unser Webinar konnten wir Barbara Kathrein,  die sehr erfahrene und bekannte Trainerin, Coach und Supervisorin gewinnen. Wir freuen uns darauf!

 

Mehr davon in unserem Webinar: Route neu berechnen

 

Christina Scheiber hat im Übrigen auch die Bilder zu diesem Beitrag beigesteuert. Wie viele von uns arbeitet sie zurzeit von zu Hause aus. Mit kleinen Kindern, Landwirtschaft gemeinsam mit ihrer Familie, Haushalt und Homeoffice. Hut ab liebe Kollegin! Und schaut einmal wie schön sie kocht:

 

Worin kannst du so richtig schwelgen?

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Maria Gschwentner, Fachvorstand der FSBHM Rotholz gibt den Schülerinnen des dritten Jahrgangs jedes Jahr die Gelegenheit, Lebensqualität Bauernhof kennen zu lernen. In der vergangenen Woche hätte ich sie in der Schule besuchen dürfen. Die Schülerinnen sind wie alle anderen auch zuhause. (Von einer Mama habe ich schon gehört, wie wunderbar die Hausaufgaben sind – die Jugendlichen haben auch sehr viele praktische Übungen zu absolvieren, von der die Familien profitieren.)

Die besondere Unterrichtsstunde ausfallen lassen? Mitnichten. Maria lädt die Schülerinnen zu einer Videokonferenz mit mir ein. Pünktlich um 10:00 soll sie starten. Maria und ich befinden uns ab 9:45 im digitalen Besprechungsraum. Wie das Anfliegen an einen Bienenstock erscheint das jeweilige Andocken der Jugendlichen.  Bald sind 32 Personen im Konferenzraum und versuchen mittels einer zugeschaltenen Präsentation zu verstehen, was LQB Tirol macht. Richtig beeindruckend ist, wie sehr die meisten mit dabei sind. Sie lauschen und reagieren konzentriert auf Fragen, die gestellt werden. Unkompliziert auch, wenn jemand aus der Gruppe fällt. Frau Geschwentner: können Sie bitte Sonja nochmals einladen? Und es gelingt.

Auf die Frage, von welchen persönlichen Herausforderungen bäuerliche Familien betroffen sein können, kommt sehr schnell das Thema des Zusammenlebens am Hof . Konkret: wie kann die Integration einer jungen Bäuerin im Betrieb gelingen. Man kann sehen, einige wissen um die Brisanz der Themen.

Als ich von der Bildung spreche, erzähle ich von Seminarangeboten wie zum Beispiel von einem Webinar zur Ressourcenorientierung.

Aus einem Kartenset, lassen wir eine Teilnehmende eine Karte ziehen und gehen dieser Frage nach:

Worin kannst du so richtig schwelgen?

Schwelgen ist ein altes Wort, deshalb beschreiben wir es genauer. Hier noch einmal zum Verstehen.

Schwelgen bedeutet, „sich einem Gefühl, einem Gedanken oder ähnlichem genussvoll überlassen; sich daran berauschen“.

In der Natur, am Rücken eines Pferdes, beim Zusammensein mit Freundinnen, beim Singen …

Was ich jetzt noch drei Tage später mit Sicherheit sagen kann: das Zusammensein mit den Rotholzerinnen hat in dieser Stunde mein Herz schwelgen lassen. Es hat mich erstaunt, wie eine räumliche Distanz eine so große Lebendigkeit haben kann.

Es geht mir so gut, wie schon lange nicht mehr

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Ehrlich? Kann das sein? Und klingt es zynisch für all jene, die es schwer haben, große Sorgen haben?

So soll es keineswegs sein. Diese Zeit bringt so viele unterschiedliche Konsequenzen für jeden von uns.

Doch vor den Vorhang gehört er, dieser Unternehmer. Ich kenne ihn seit vielen Jahren: erfolgreich, flott und so im Einsatz, dass es ihn in der letzten Zeit mehrmals beinahe den  Boden unter den Füßen weggezogen hat.

Wie im Hamsterrad lebt er. Jede Anfrage annehmen, Wochenende für Wochenende, beinahe pausenloses Arbeiten. Manchmal, wenn ich ihn sehe, habe ich das Gefühl, jetzt wird er gleich umkippen.

Nun ist es anders- die Bremse ist von außen gezogen. Lange Zeit durfte auch nirgends hinfahren. Die Aufträge sind verlangsamt, verschoben und es gibt etwas Neues: Zeitwohlstand.

Und dann wäre ihm und mehreren von uns zu wünschen, dass diese Erfahrung so unter die Haut geht, dass es den über-die-Grenzen-Arbeitenden gelingt, selbstbestimmt zu gestalten.

Also ich fühle mich da sehr angesprochen: vielleicht weniger Geld und dafür mehr Luxus an Zeit? Mir fällt dazu das Wort gemächlich ein.

Und sollten jetzt einzelne aus unserer unmittelbaren Zielgruppe: Bäuerinnen und Bauern sagen – für uns kann das nicht gelten:

Zu manchen Zeiten stimmt das auf jeden Fall: wie mir heute ein lieber befreundeter Bauer sagte: im Frühjahr kälbert die Natur.  Das bedeutet ein dichteres Arbeiten. Aber halt auch nicht die ganze Zeit. Immer wieder gibt es die Möglichkeit, den Tagesablauf so zu gestalten, dass es erstens die Gelegenheit zum Rasten und zweitens die Ruhe zu wohlüberlegten Entscheidungen geben muss.

Mit der Kernüberlegung, fördert das unser Betriebsergebnis UND die Lebensqualität?

Und zu Ostern dürfen wir euch „Lieder“ wünschen (Carl Peter Fröhling):

Arbeit-Muße

immer wieder,

ohne Arbeit

keine Muße

ohne Muße

keine Lieder.

Klingen soll es in unseren Herzen!

Danke Toni für das wunderschöne Bild deiner blühenden Mostbirnen.

Hand in Hand mit dem Neuen

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Bald – ganz bald – möchten wir euch mit einem gemeinsamen Beitrag von Angelika und Angelika in filmischer Form überraschen (Genau wissen wir noch nicht, wie wir das tun werden.) Zwischen uns liegen zur Zeit 93 km in eine Richtung. Doch wir helfen uns mit Videokonferenzen und können uns gut nahe sein. Auch in beruflicher Hinsicht.

Wir denken nach, wie unser Blog hilfreich sein kann und nicht noch mehr Zuviel an Information und Hülsen ist. Deshalb immer wieder montags und im Hinterkopf haben wir: wie kann gerade jetzt aufleben gelingen?

Es kann! Und wir wären besonders neugierig, wie ihr das seht. Wir freuen uns auf eure Beiträge. Wir setzen auch einen Preis aus: die ersten zehn bekommen von uns eine handgeschriebene aufleben Postkarte. Versprochen!

Und in unserer Quarantäne studieren wir kluge Menschen: zB  in „Kompass neues Denken“ – ein Buch der Philosophin Natalie Knapp.

 „Nur diejenige Verworrenheit ist ein Chaos,

aus der eine Welt entstehen kann.“

(Friedrich Schlegel)

Das Verständnis für das Grundprinzip „Selbstorganisation“ wird uns dabei helfen, dem Chaos des Lebens entspannter zu begegnen. Denn das Leben organisiert sich auf eine Art und Weise selbst, die wir uns gar nicht ausdenken können!

Sehr häufig öffnet sich der Geist, wenn etwas schiefgeht, weil man in diesem Augenblick gezwungen wird, seine bisherigen Vorstellungen aufzugeben. Man glaubte zu wissen, wie´s geht und plötzlich weiß man gar nichts mehr und wird offen für Neues.

Wenn etwas schief läuft, begreifen wir, dass das Leben mehr Möglichkeiten bereithält, als wir bislang in Betracht gezogen hatten. Wir verlieren vorübergehend die Kontrolle und geben dadurch unserem Denken den nötigen Spielraum, um sich neu orientieren zu können und um ein paar vorhandene „Zutaten“ anders verbinden zu können.

Wen unsere Angst einen zu großen Raum einnimmt, besteht die Gefahr eines Rückschritts zu archaischen Formen der Ordnung: Kontrolle, Überwachung und starre Hierarchie anstelle von kreativer und lebendiger Selbstorganisation am Chaosrand.

Und wir finden, es ist jetzt an der Zeit – vielleicht nicht am Chaos-Rand – aber in einer ganz besonderen Situation neue Denkweisen zu probieren.

Nachgereicht  Fotos zum letzten Beitrag. Seht nur… Hans und Leon haben Zeit zum gemeinsamen Tun.

(siehe Beitrag: Der Bua isch dahoam)